Sekundenkleber - vom Misserfolg zum Welterfolg

14.05.2019 14:30

Der Sekundenkleber - eine Erfindung für das Militär?

Der unzerbrechliche Kunststoff

Entwickelt wurde der erste Sekundenkleber tatsächlich für das amerikanische Militär. Harry Coover, ein Angestellter der Firma Eastman Kodak, suchte nämlich nach einem unzerbrechlichen, transparenten Kunststoff. Dieser sollte unter anderem für die Zieloptik von Kampfpanzern eingesetzt werden. Doch alles was er im Jahr 1942 entdeckte, war eine extrem klebrige und zähflüssige Flüssigkeit. Dieses Cyanacrylat, wie der chemische Name heißt, war jedoch gänzlich untauglich für seine Zieloptik.
 

In Vergessenheit geraten und wiederentdeckt

Nun passierte das, was schon viele Male in der Menschheitsgeschichte vorgefallen ist. -  Die Substanz blieb Jahrelang unbeachtet.

Erst Jahre später, man schrieb bereits das Jahr 1951, erinnerte man sich an die klebrige Substanz zurück. Genauer gesagt erinnerte sich Coover an einen Vorfall mit einem seiner Kollegen. Sein Kollege Fred Joyner versuchte zum damaligen Zeitpunkt die klebrige Substanz in Düsenjet Cockpits einzusetzen. Dabei passierte ihm ein Fehler. Aus Versehen klebte er zwei Linsen aneinander. Trotz aller Bemühungen konnten diese nicht wieder voneinander getrennt werden. Das Laborgerät war durch die fehlenden Linsen natürlich nicht mehr einsetzbar.
 

Der Siegeszug beginnt

In der Folge wurde Cyanacrylat im Jahr 1956 patentiert und kurze Zeit später unter dem Namen „Eastman 910“, als erster Klebstoff seiner Art, vermarktet.

Der Siegeszug des Superklebers war nun nicht mehr aufzuhalten!
 

Wunden kleben mit Sekundenkleber - geht denn das?

Um die Antwort auf diese Frage gleich vorwegzunehmen, ja, grundsätzlich kann man mit Superkleber Wunden kleben.
Den entsprechenden Grundgedanken hatte die Firma Eastman bereits im Jahr 1964.
Denn in diesem Jahr stellte sie bei der US Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit einen entsprechenden Antrag. Konkret ging es darum, menschliches Gewebe und Wunden mit Cyanacrylat-Klebern kleben zu dürfen.
Rasch entwickelte sich diese nahtlose Methode zur Wundschließung, zu einem beliebten Instrument der Mediziner.
Vor allem im Vietnamkrieg kam dann ein entsprechender Spray als Wundschnellverband zum Einsatz.
Für den zivilen Bereich wurden diese Klebstoffe jedoch nicht freigegeben. Die Begründung hierfür lag an einer möglichen Hautreizung durch diese Produkte.
Erst mit der Entwicklung der 2-Octylcyanacrylat Variante, im Jahr 1998, konnte sich der Sprühverband auch auf dem zivilen Markt bewähren. Als Venenkleber sind Cyanacrylat Kleber in Europa erst seit 2011 zugelassen und werden unter anderem bei der Behandlung von Krampfadern eingesetzt.
 

Fingerabdrücke mit Klebern sichtbar machen

Doch Sekundenkleber kann noch sehr viel mehr. Denn bei kriminaltechnischen Untersuchungen kann er dabei helfen Fingerabdrücke sichtbar zu machen. Das Prinzip für diese Technik ist dabei so einfach wie genial. Im Grunde wird die Temperatur des Klebers so lange erhöht bis er verdampft. Die Dämpfe schlagen sich dann an den Fingerabdrücken nieder.
 

Wie funktioniert ein Sekundenkleber?

Sekundenkleber sind im Grunde Reaktionsklebstoffe. Das bedeutet, dass sie Feuchtigkeit zur Reaktion benötigen. Die benötigte Feuchtigkeit beziehen die Kleber aus der Umgebungsluft. Der chemische Prozess, welcher dabei abläuft wird auch Polymerisation genannt.
Zur Aushärtung des Klebers kommt es jedoch erst beim Zusammendrücken der Klebestellen.
 

10 Tipps beim Arbeiten mit Sekundenkleber

Im Grunde gilt, auch beim Arbeiten mit Sekundenkleber, die altbewährte Regel “Vorbereitung ist alles”.

  1. Aufbewahrung
    Sekundenkleber sollte grundsätzlich im Kühlschrank aufbewahrt werden und es sollte auf die Kennzeichnung, sowie die Unerreichbarkeit für Kinder geachtet werden → Verwechslungsgefahr mit Lebensmittel!
  2. Kleber auswählen
    Bevor man mit dem Kleben beginnt sollte man den richtigen Kleber für den richtigen Werkstoff wählen.
    So benötigt man bei porösen oder nicht passgenauen Teilen einen gelartigen Kleber.
  3. Vorbereiten der Klebestellen
    Vor dem Zusammenkleben der zu klebenden Stellen, müssen diese von Verunreinigungen wie zum Beispiel Fett, Staub, Feuchtigkeit etc. befreit werden.
  4. Aufrauen
    Wenn die Möglichkeit besteht, sollte man die Klebestellen etwas aufrauen, dadurch wird die Festigkeit erhöht.
  5. Positionierung
    Die zu klebenden Teile für den Klebevorgang positionieren und den Klebevorgang im Gedanken durchgehen.
  6. Sicherheit geht vor!
    Beim Arbeiten mit Klebstoffen immer auf die Sicherheit achten, denn bereits ein kleiner Klebetropfen - beispielsweise im Auge, kann schwere Verletzungen herbeiführen.
  7. Kleber auftragen
    Je dünner der Kleber aufgetragen wird, desto besser ist die spätere Verbindung
  8. Eine Minute
    Nachdem die geklebten Teile zusammengefügt wurden, sollte man sie eine Minute lang fest zusammenpressen (hierbei immer die Kleberabhängige Anleitung beachten).
  9. Aushärtezeiten beachten
    Grundsätzlich sind die meisten Kleber nach 5 Minuten ausgehärtet. Die Endfestigkeit wird aber erst nach 24 Stunden erreicht.
  10. Tube verschließen
    Nach dem Klebevorgang sollte die Tube wieder ordentlich verschlossen werden, dadurch bleibt der Kleber für den nächsten Einsatz haltbar (Achtung kein Kleber hält ewig, daher von Zeit zu Zeit prüfen).
     

Wie kann man Sekundenkleber entfernen?

Sekundenkleber hält grundsätzlich was er verspricht, doch manchmal kann es vorkommen, dass man sich verklebt. Dann kann der Kleber durch unterschiedliche Möglichkeiten wieder entfernt werden. Einziges Problem dabei, in diesen Fällen können die darunterliegenden Oberflächen oder Materialien beschädigt werden.

Hier unsere 5 Tipps zum Entfernen von Kleber:

  1. Mechanisch
    Im Grunde kann man ausgehärteten Sekundenkleber einfach abkratzen, jedoch kann dabei die darunterliegende Oberfläche beschädigt werden.
  2. Lösungsmittel
    Unter Zuhilfenahme von Aceton oder 2-Butanon können Kleberückstände entfernt oder Klebestellen wieder gelöst werden. Im Notfall kann man es auch mit einem Nagellackentferner versuchen. Wichtig ist dabei immer auch auf die Sicherheit achten.
  3. Hitze
    Eine weitere Möglichkeit ist Hitze, denn ab ca. 180°C lösen sich die Klebeverbindungen wieder auf. Unter Zuhilfenahme eines normalen Heißluftföns oder einer Heißluftpistole kann sich der Kleber bereits wieder ablösen lassen.
    Damit die zu lösenden Stellen nicht überhitzen, sollte man die Hitze nur intervallmäßig zuführen!
  4. Kälte
    Ebenso wie zu viel Hitze, ist auch zu viel Kälte für den Klebstoff nicht optimal. Diese Möglichkeit funktioniert am besten bei Textilien.
    Einfach den betroffenen Stoff über mehrere Stunden in die Tiefkühltruhe oder ins Tiefkühlfach legen. Mit der Zeit zieht sich das Material aufgrund der Kälte zusammen. Der Klebstoff behält aber annähernd seine Form, wird aber brüchig bzw. springt ab.
    Ein nachträgliches Reinigen z.B. in der Waschmaschine sollte man auf jeden Fall durchführen.
    Bei größeren Gegenständen, die nicht in die Tiefkühltruhe oder das Tiefkühlfach passen, kann man sich mit einem Kältespray behelfen.
  5. Wasser und Öl
    Diese Variante eignet sich optimal für Textilien, denn Kleber ist grundsätzliche nicht feuchtigkeitsbeständig.
    Am besten die betroffenen Stellen mit Speiseöl benetzen und das Öl einmassieren. Danach eine Zeitlang einwirken lassen. Durch das Öl wird der Kleber wieder weich und kann entfernt werden.
    Sollte kein Öl zur Verfügung stehen, kann man auch heißes Wasser mit Spülmittel (Achtung auf Verbrennungsgefahr!) verwenden.
     

Sekundenkleber von der Haut entfernen

Selbst wenn man alles bedenkt und vorsichtig arbeitet, in manchen Fällen kann es vorkommen, dass Sekundenkleber auf der Haut landet. Dann ist vor allem Ruhe und Besonnenheit geboten, denn eine falsche Reaktion kann zur Beschädigung tieferer Hautschichten und somit zu schmerzhaften Verletzungen führen.
Dies trifft vor allem dann zu, wenn man sich beispielsweise zwei Finger zusammengeklebt hat und diese wieder mit Gewalt öffnen möchte.
Doch eines vorweg, eine vollständige Entfernung des Klebers ist in den meisten Fällen nicht sofort möglich, da er auch in die Hautporen einzieht. Durch die natürliche Regeneration der Haut, werden diese Rückstände meist automatisch nach einiger Zeit entfernt (abgestoßen).

Des Weiteren sollte man vor allem, wenn die Augen, die Nase oder die Ohren bzw. das Gesicht sowie der Mund oder die Schleimhäute etc. betroffen sind, immer einen Arzt hinzuziehen!

  1. Ruhe bewahren
    In erster Linie sollte man nicht in Panik geraten und Ruhe bewahren, erst danach kann man besonnen entsprechende Maßnahmen treffen.
  2. Mechanische Entfernung vermeiden,
    Wenn irgendwie möglich, sollte man eine mechanische Entfernung des Klebers immer vermeiden, denn dabei können darunter liegende Hautschichten stark verletzt werden.
  3. Wasser, Öl und Nagellackentferner
    Am besten hält man die betroffenen Stellen einige Zeit in eine warme Seifenlauge. Dabei wird der Kleber wieder weich und kann entfernt werden. Diese Möglichkeit funktioniert auch mit Speiseöl.
    Ebenso kann man die betroffenen Stellen mittels eines Nagellackentferners bearbeiten, aber Achtung, hierbei kann es zu Hautirritationen, wie Rötung oder Hautausschlägen, kommen.
  4. Eincremen
    Nachdem die Kleberückstände entfernt wurden, sollte man die betroffenen Stellen gut eincremen. Dadurch bleibt die Haut elastisch und trocknet nicht aus.
     

Synonyme für Sekundenkleber

Für Sekundenkleber gibt es viele Bezeichnungen, einige stellen wir euch hier vor:

  • Sekundenkleber
  • Superkleber
  • Kleber
  • Alleskleber
  • Klebstoff
  • ...
     

Fazit

Am Beispiel des Sekundenklebers kann man sehen, wie aus einem Misserfolg doch noch ein Welterfolg werden kann. Ein Welterfolg, der uns übrigens in vielen Bereichen des täglichen Alltags, wenn auch oft nicht bewusst, begleitet und in keinem Haushalt fehlen sollte.

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